Demorückblick auf 2021 - Analyse, Zahlen und Fakten

Demorückblick auf 2021 
Es ist ein Irrtum, zu vermuten, dass die Corona-Pandemie mit dem sich ausbreitenden und ständig verändernden Virus dazu führte, dass im Jahre 2021 weniger Demonstrationen stattfanden. Natürlich kam es bei den Protestkundgebungen zu Einschränkungen, die sich nach der aktuellen Situation richteten. Somit ist trotz der Maßnahmen gegen das Corona-Virus die Bereitschaft, an Protestkundgebungen teilzunehmen, konstant geblieben. Menschen mobilisierten sich für ihre Anliegen trotz der Einschränkungen. Allein in Berlin gehen die zuständigen Behörden von etwa 5500 Protestkundgebungen im Jahre 2021 aus. Durchschnittlich gingen dort also die Menschen 14 Mal am Tag zu einen Kundgebung oder Demonstration.

Demonstrationen - Tausende protestieren gegen Corona-Regeln
Im Jahre 2021 sind sehr viele Menschen bei Protestdemonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straßen gegangen. Zumeist fanden diese Demonstrationen montags statt. Die Corona-Regeln wurden häufig während der Demonstrationen nicht eingehalten. Als dann zu den Maßnahmen die allgemeine Impflicht und die Impfpflicht für Pflegepersonal hinzukamen, eskalierte in einigen Städten Deutschlands die Lage. Unter die Impfgegner mischten sich auch Staatsgegner aus den rechts- und linksextremistischen Lagern, die diese Plattform und Situationen für sich ausnutzten, die im Wesentlichen zu den Eskalationen und Angriffen gegen Einsatzkräfte beitrugen. Somit mussten zwangsläufig an vielen Demonstrationsorten Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung, Widerstand gen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Mitführen von verfassungswiderrechtlichen Kennzeichen und Bezeichnungen gegen Demonstranten gestellt werden.

Protestaktionen in ganz Europa – Beispiel Brüssel
In ganz Europa fanden Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen statt.
In Brüssel demonstrierten etwa 35000 Menschen anlässlich der durch die Corona-Pandemie erlassenen Verordnungen. Es kam teilweise zu massiven Ausschreitungen mit Verletzten und Sachbeschädigungen. Rauchschwaden stiegen über Brüssel auf. Die Einsatzkräfte der Polizei setzten Pfefferspray und Tränengas ein. Einige Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.

Demo für bessere Bedingungen an Schulen
An vielen Orten Deutschlands demonstrierten Lehrer, Schüler und Eltern für mehr Personal und bessere Lernbedingungen an deutschen Schulen. In Berlin protestierten 2000 Menschen gegen die aktuelle Schulpolitik. Zu große Klassen, zu wenig Lehrer, eine unzureichende Ausstattung und weitreichende, zukunftsfähige fehlende IT-Konzepte trieben viele Lehrer und Schüler auf die Straßen. Auch mit zahlreichen Petitionen wurden die Demonstrationen unterstützt und den Anliegen Nachdruck verliehen.

Fridays For Future - Demonstrationen
Die Emissionswerte erreichten in Deutschland 2021 einen Wert, der seit 30 Jahren nicht mehr so hoch war. Fridays For Future setzte daher weiterhin seine Anstrengungen fort. Im Jahr 2021 aktivierte Fridays For Future für die Klimastreiks bundesweit über 600.000 Menschen für große Demonstrationen, Blockaden, Kunstaktionen, Fahrrad-Korsos und Menschenketten. Damit wurde der gesellschaftlichen Forderung für die Klimagerechtigkeit Nachdruck verliehen. Das Jahr stand unter dem Motto „Alle für Klima“, welches durch die Demonstrationen an 470 Orten in ganz Deutschland deutlich sichtbar wurde. Mit der Planung und Organisation von weltweit über 1700 Protestaktionen wurde hinsichtlich der Erderwärmung ausdrücklich auf die Einhaltung der 1,5 Grad-Celsius-Grenze verwiesen. Fridays For Future gelang es im Jahr 2021 den Druck auf Politik und Menschen in Bezug auf Klimagerechtigkeit weiterhin zu erhöhen.

Dramatische Demonstrationen im Kolumbien
In Kolumbien gab es 2021 zahlreiche Protestdemonstrationen gegen die geplante Steuerreform. In Cali waren tausende Demonstranten auf der Straße. Die Lage eskalierte dramatisch zwischen den auch teilweise bewaffneten Protestierenden und der Polizei bei den Demonstrationen. Straßenbarrikaden wurden an wichtigen Hauptstraßen errichtet. Fahrzeuge gerieten in Brand. Allein in Cali kamen 60 Demonstranten ums Leben und zahlreiche Menschen wurden verletzt. Neben der Polizei wurden über 1000 Soldaten der kolumbianischen Armee eingesetzt.

Demonstrationen gegen Antisemitismus
Angesichts der Zuspitzung des Konflikts zwischen Israel und der palästinensischen Hamas gingen im Jahr 2021 tausende Menschen in deutschen Städten auf die Straße. Es ging ihnen mit diesen Protesten vor allem um ihre Solidarität mit den Palästinensern. Es kam in vielen Großstädten zu eskalierenden Demonstrationen. Anlass für die Proteste war das jährliche Gedenken am 15. Mai. Dieses Datum steht für die Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden Palästinensern aus dem Gebiet des späteren Israels im Jahr 1948. Die antisemitischen Geschehnisse bei diesen pro-palästinensischen Protestkundgebungen in Deutschland haben Abscheu und Entrüstung ausgelöst.

Bauern-Protestaktionen
Vielerorts machten im Jahr 2021 Bauern durch Demonstrationen auf sich aufmerksam. Dabei wurden häufig landwirtschaftliche Fahrzeuge eingesetzt, die sich zusammenschlossen und an entscheidenden Plätzen trafen. Vor allem Traktorentorsos wurden in großen Städten in der Nähe von Landesregierungen und Bundesregierung gebildet.
Grundlegend ging es immer um die Darstellung der Bedeutung der Landwirtschaft für die Verbraucher und die Politik. Die Bauern fühlen sich von der Politik allein gelassen und vermissen die Wertschätzung ihrer Arbeit für die gesamte Gesellschaft. Die Probleme des Preisverfalls für Lebensmittel einerseits und die steigenden Auflagen durch den Bund andererseits seien nicht mehr länger hinnehmbar. Diese Diskrepanz führe viele Bauernhöfe an den Rand der Existenz bzw. sogar zur Aufgabe von Landwirtschaftsbetrieben. Die Landwirte forderten daher von der Bundesregierung eine regulierte, organisierte Preispolitik. Zu diesem Zweck wurden an einigen Orten Auslieferungslager vorübergehend durch Landwirtschaftsfahrzeuge blockiert.

EU-Gipfel in Slowenien begleitet von Demonstrationen
Bereits am Abend vor dem EU-Gipfel 2021 in Slowenien gingen in der Hauptstadt Ljubljana viele Menschen auf die Straße, um zu protestieren. Im Vordergrund standen die geltenden Corona-Maßnahmen und Gleichbehandlung von Nichtgeimpften. Die Proteste standen letztendlich in keinem direkten Zusammenhang mit dem EU-Gipfel. Der EU-Gipfel wurde als Plattform für diese Aktionen genutzt, um medienwirksam gegen die Corona-Regeln aufzutreten.
Es musste eine Vielzahl von Polizeikräften mit entsprechender Technik zusammengezogen und eingesetzt werden. Polizeihelikopter kreisten über Ljubljana. An vielen Stellen kam es zu Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizeikräfte setzen Tränengas und Wasserwerfer ein.

Berliner Großdemonstration – unteilbar
Im September 2021 wurde zu einer Großdemonstration in der Hauptstadt Berlin aufgerufen. Diese Kundgebung und Protestaktion forderte mit Nachdruck die notwendige Solidarität in der deutschen Gesellschaft. Es wurde auf die Missstände in der Gesellschaft und Politik aufmerksam gemacht, die sich im Laufe der Zeit in Deutschland immer mehr zuspitzen. Durch die Corona-Krise wurden die Unterschiede in Deutschland und der Welt noch deutlicher. Zu viele Menschen sind arm und haben massive Existenzängste.
Außerdem wurde bei der Großdemonstration auch das Thema Klimawandel und die bedrohlichen Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft aufgegriffen.
Auch die Zunahme von Rassismus und Menschenfeindlichkeit wurde bei der Protestkundgebung „unteilbar“ thematisiert. Es ging um die konsequente Einhaltung der Menschenrechte, der Gleichberechtigung und der sozialen Gerechtigkeit. Es wurde ein „Stopp“ zur sozialen Gesellschaftsteilung und Zuspitzung der Klima-Krise formuliert und gesetzt.
Mit einem entsprechenden Hygiene-Konzept startete die Großdemonstration mit einer klar definierten Laufstrecke, mit Lautsprecherwagen und einem Protestauftakt und Protestabschluss.

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